[3.3.3.1]
Zum Kriterium der »Hingezogenheit«
bezüglich der introvertierten Tendenz
Das Kriterium der Hingezogenheit bezeichnet eine erste emotionale Bewertung
von Ästhetischem bezüglich der introvertierten Tendenz. Als Auslöser für die intuitive
Zuneigung zu einem Reizangebot soll hier weniger die von Eibl-Eibelsfeld
diagnostizierte emotionale Empfänglichkeit, welche beispielsweise eine Gestaltfiguration im
Kindchen-Schema anspricht, untersucht werden, als vielmehr das subtile Empfinden einer
inneren Nähe, welches durch das unbestimmte Gefühl, etwas von der internen
Wirklichkeit in einem externen Objekt wiederzufinden, entsteht.
Er reicht aus, wenn kleine ästhetische Hinweise wie bestimmte Farben,
Materialien, Formen, Düfte usw. zu einem positiven Wiedererkennen oder einer schönen
Erinnerung veranlassen und ein Gefühl von Sympathie wecken. Auf diese Weise
werden Gegenstände zusammengetragen, welche durch das Kriterium einer persönlichen
Hingezogenheit aufeinander bezogen sind und unabhängig vom gebrauchsbedingtem
Verschleiß und Ersatz die ästhetische Historie des ganz persönlichen
Lebenskontexts schreiben. Umgekehrt werden zu negativen Erinnerungen gehörende ästhetische
Reize abgelehnt. Hierin liegt eine wichtiger Ursache für die emotionale
Bewertungsvielfalt gegenüber Ästhetischem, die sich trotz aller Gleichschaltungsversuche durch
Modediktate behauptet und sich auch der bewußten Reflexion widersetzt.
Designkonzepte, welche auf diese bestehenden emotionalen Bindungen nicht eingehen, werden
bereits auf subliminaler Ebene mit negativen Emotionen belegt und die zugehörigen
Produkte werden nicht pfleglich, sondern gleichgültig bis aggressiv behandelt.
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