[3.3.1.1]
Zum Kriterium der »Spontaneität«
bezüglich der explorativen Tendenz
Die Bereitschaft zur explorativen Tendenz, konkretisiert sich in einer Haltung
der Offenheit und Spontaneität bezüglich Reizen, die in der äußeren Wirklichkeit
lokalisiert werden. Mit der offenen Haltung wird häufig Neues entdeckt und viele
gleichzeitig stattfindende Reizereignisse werden gemeinsam registriert. Dadurch
entstehen neuronale Verknüpfungen, die später zu kreativen Assoziationen beitragen
können. Bei Kindern und Jugendlichen ist die offene Spontaneität häufig zu finden, wenn
sie sich noch keine skeptische Vorsicht als Schutz vor Enttäuschungen angewöhnt haben.
Spontaneität äußert sich in impulsivem Verhalten, das Kinder und
Jugendliche noch weniger steuern können als Erwachsene. Spontan gehen sie auf
Reizangebote, die sich ihnen bieten zu. Das Kind läuft mitten durch die Pfütze, staunt über den
Stab mit Zuckerwatte, steckt den Schnee in den Mund, reißt im Supermarkt an den
bunten Verpackungen, lächelt fremden Menschen im Bus zu usw. Jugendliche, bei
denen die explorative Tendenz der Spontaneität durchschlägt, erkunden aktiv ihre
Umwelt. Sie setzen sich dabei oft unbeabsichtigt über konventionelle Grenzen hinweg
und finden ihre eigenen Grenzen. Sie probieren, einen Lichtmast zu erklettern, mit
dem Bike eine Treppe hinunterfahren, auf der Autobahnbrücke den Fahrenden
zuwinken usw. Die Erhaltung von Offenheit und Spontaneität in der Begegnung mit der
Außenwelt, der Natur, den Medien und den anderen Menschen ist eine wichtige
Voraussetzung für die Fähigkeit, ethisches Bewußtsein und produktiven Gestaltungswillen
zu entwickeln und sollte deshalb durch Design, das Gelegenheiten für spontanes,
exploratives Verhalten schafft und zu weiteren Initiativen anregt, gefördert werden.
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