[3.3.1.3] Beispiel für das animative Potential von Design
Während der private Wohnraum schon in sich ein Rückzugsort darstellt, fehlen diese
Orte im öffentlichen Raum oder auch im Arbeitsumfeld. Tests zeigten, daß die Mehrzahl der
Menschen es vorzieht, in einem Wartezimmer, einem Café oder einem Restaurant eher am
Rand als im Mittelbereich zu sitzen. Vermutlich gilt dies in besonderer Weise für Menschen,
die einen zur inneren Sammlung geeigneten Platz suchen. Bänke mit hochgezogenen
Rückenlehnen oder umseitig geschlossen wirkende Stühle, Nischen durch Trennwände usw.
können Rückzugsorte markieren. Streß im Arbeitsleben entsteht häufig durch das Gefühl
ständiger Überwachung. Hier müßten Rückzugszonen für Pausen geschaffen werden. Bei
Platzmangel könnten Räume durch mobile Trennwände abgeteilt werden. Eine neue Glastechnik
ermöglicht es, eine Glaswand entweder transparent oder opak zu schalten.
Das animative Potential von Design erleichtert die Erlangung von Gefaßtheit im
Sinne der Entspannung als ein abschließender Subprozeß der auf die introvertierte Tendenz
bezogenen Motivation. Angestellte werden angeregt, am Arbeitsplatz persönliche Objekte
wie Fotos, Blumen, Andenken usw. aufzustellen. Ein flüchtiger Blick auf einen solchen
vertrauten Gegenstand hilft dabei, sich innerlich zu sammeln und negative Gefühle zu
besänftigen oder kann Anlaß für ein kurzes Gespräch mit Kollegen sein. Die Softwarefirma Intershop
in Jena ermöglicht es jedem Mitarbeiter, seinen Arbeitsplatz frei zu gestalten, mit
brennender Kerze auf dem Besprechungstisch oder einem Windspiel vor der Tür. Im Gegensatz
zu dieser Intention einer Stärkung des animativen Potentials von Design, beschneidet das
CI-Konzept der Firma Erco in Lüdenscheid dieses völlig. Die Arbeitsplätze der meisten
Angestellten sind innenarchitektonisch nicht deutlich von Fluren usw. abgetrennt und daher
ständig von Besuchern und Kollegen einsehbar. Ein Gebot des CI-Konzepts verlangt es,
keine privaten Dinge auf dem Schreibtisch oder der Werkbank zu plazieren.
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