[3.3.3.3]
Beispiel für das impulsive Potential von Design
Werbung wird von den meisten Menschen nicht mehr als Information
wahrgenommen. Seitdem mehrere Fernsehsendungen Werbespots thematisieren, weiß jeder, mit
welchem Aufwand die ästhetisch perfekten Bilder fabriziert werden. Der Reiz an neuer Werbung
gründet daher nicht im Inhaltlichen, Erkenntnis anbietenden, sondern in der Erwartung
von ästhetisch unterhaltenden Effekten. Mit deren Einlösung durch das Genre der Werbung
ist die Vertrautheit oder Selbstsicherheit der explorativen Tendenz verbunden.
Von einem Nachrichtenmagazin ist dagegen die verständliche, gewissenhaft
recherchierte Aufbereitung von Information zu erwarten. Der Zuschauer oder Leser eines Magazins
vertraut auf die verantwortliche Vorauswahl der Produzenten. Wenn dann eine Zeitschrift
wie Focus mit einem innovativen, ästhetisch ansprechenden, die explorative Tendenz
anregenden Design auftritt, ihrem Anspruch auf fundierte Informationen aber nicht gerecht
wird, dann rückt diese Täuschung auch das aufwendige Design in ein negatives Licht. Das
Vorurteil einer zwangsläufigen Verknüpfung von ästhetischer Vielfalt mit geistiger Einfalt
wird dadurch leider wieder bestätigt. Eine ähnliche Diskrepanz zwischen vielversprechender,
der explorativen Tendenz entgegenkommender Ästhetik und seichtem Inhalt weisen
bedauerlicherweise viele Multimedia-Produktionen auf.
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