[3.3.2.3]
Beispiel für das sensitive Potential von Design
Menschen, die körperlich arbeiten verwachsen nach einiger Zeit mit ihren
Arbeitsgeräten. Ihre Motorik und ihr Krafteinsatz ist genau auf die Erfordernisse des Geräts
abgestimmt. Hierdurch können Haltungsschäden auftreten, die von den Betroffenen nicht
unbedingt schmerzhaft erlebt werden, denn man hat sich an die mit der Arbeit verbundenen
Körpergrenzen gewöhnt. Trotzdem kommt dem sensitiven Potential von Design in diesem Fall
die Aufgabe zu, durch Neuentwicklung der Geräte diesen negativen Auswirkungen auf den
Körper entgegenzuwirken. So kamen viele kräftige LKW-Fahrer auch ohne Servo-Lenkung
mit ihren Fahrzeugen zurecht und waren mit ihrem Gefährt verwachsen, doch inzwischen
erleichtert die Gestaltung der Fahrerkabinen auch weniger kräftigen Fahrern die Arbeit.
Viele Sportler, die für große Firmen werben, benutzen individuell auf ihre
Anforderungen zugeschnittene Spezialanfertigungen der Produkte. Für sie ist es von Wichtigkeit,
ihre Motorik exakt auf die erforderlichen Bewegungsabläufe hin zu trainieren und mit
ihren Sportgeräten völlig verwachsen zu sein. Jede Umstellung durch neue
Materialeigenschaften oder Maßveränderungen der Geräte muß durch vermehrtes Üben kompensiert werden.
Als Stradivari des Pop wird Jerry Auerswald im Zeit-Magazin (vgl. Die Zeit, Nr. 20,
1997) bezeichnet. Er spielt selbst Gitarre und baut Instrumente, die speziell für die
Fingertechnik und die Motorik seiner bekannten Kunden konzipiert sind. Das sensitive Design des
Gitarrenbauers geht auf die Verwachsenheit der Musiker mit ihren Instrumenten ein.
Dadurch können Gitarristen während einem Konzert mehrere unterschiedlich klingende
Instrumente benutzen, ohne die Handhaltung bei jedem Wechsel umstellen zu müssen.
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