[3.3.2.3]
Beispiel für das impulsive Potential von Design
Durch die Schriftkultur hat sich der lineare Aufbau von Informationen weit
verbreitet. Vom Rezipienten fordert er ein entspechend lineares Abarbeiten. Dagegen ermöglichen
verbesserte Drucktechniken, Fernsehen und inzwischen auch die Multimedia-Technologie
vielfältige ästhetische Umsetzungen. Designer und Rezipienten müssen erst den Umgang
mit diesen Möglichkeiten lernen. Solange es beispielsweise nur ein Fernsehprogramm gibt,
bleibt dem Zuschauer dessen eigene Filterwirkung verborgen. Er folgt mit seinem Interesse der
Ordnung einer Nachrichtensendung und verläßt sich darauf, daß alles gezeigt wird, was für
ihn von Wichtigkeit ist. Wenn stattdessen mehrere qualitativ anspruchsvolle Programme
konkurrieren muß der Rezipient seine konsumierende Haltung aufgeben und selber
auswählen. Zunächst kann er durch die Möglichkeit des Zappens zwischen verschiedenen
Programmen und Sendungen zufällig für ihn Wichtiges entdecken. Mit zunehmender Stärkung seiner
explorativen Tendenz erwächst aus diesem zufälligen Verhalten vielleicht eine individuelle
Geordnetheit in der Interaktion mit dem Medium. Auf diese Weise wird die Macht
derjenigen, die bestimmen, was Wichtigkeit erlangen soll, aufgesplittet.
Die Gestalter sind gefordert, differenzierte und für die explorative Tendenz
interessante Entscheidungskriterien anzubieten. Logos von Fernsehstationen, Inserts zu den
Sendungen, Intros für die thematische Einleitung usw. markieren Aufgabenfelder für
Kommunikationsdesigner, die bisher in der Ausbildung verstärkt zu behandeln sind.
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