[4.3.1.2]
Zum Kriterium der »Flexibilität«
bezüglich der polyvalenten Struktur
Hinsichtlich der polyvalenten Struktur können sich ausgehend von dem
gleichen Problem mehrere Lösungsprozesse mit verschiedenen Auswirkungen entwickeln.
Das Auffinden einer zeitlos richtigen Lösung wird dabei nicht erwartet. Vielmehr
stehen die verschiedenen Einzelprozesse in ständiger Interdependenz zueinander.
Dadurch entstehen Prozesse, die sich wechselweise, schneller oder langsamer beeinflussen
und die prinzipielle Wandlung sowie die Flexibilität hinsichtlich weiterer
Entwicklungsziele der polyvalenten Struktur begründen.
Die mit der Orientierung an der polyvalenten Struktur verbundene Erfahrung
beinhaltet die ständige Bereitschaft zur bewußten Erprobung von verändernden
Einflußgrößen. Sie erfordert geistige und praktische Flexibilität von den sozialen
Akteuren und nicht das fatalistische Akzeptieren oder das steuernde Absichern
gegenüber Wandlungen. Die Erfahrung und Fähigkeit zur Flexibilität werden besser durch
breit gefächerte Wissensbildung oder spielerische Sportarten, als durch selektiv
optimiertes Wissen oder gerätespezifische Kondition ausgebildet.
Die Wandlung von Konventionen der polyvalenten Struktur und die das mit
ihr verbundene Kriterium der Flexibilität bezüglich der Erfahrung spricht besonders
das Lebensgefühl oder die ästhetische Erfahrung junger und jung gebliebener
Menschen an, die sich nicht auf die festgelegte hierarchische Struktur einlassen wollen und
sich nicht fatalistisch der integrativen Struktur überlassen können. Während diese
Flexibilität in der hierarchischen Struktur ein Störfaktor wäre, bietet die polyvalente
Struktur eine positive Auseinandersetzung mit der flexiblen Suche nach alternativen
Entwicklungszielen. Das ästhetische Kriterum der Flexibilität kann auch zu
kommunikativem Verhalten motivieren, weil es den sozialen Akteuren Gelegenheit gibt, ihre
kommunikative Erfahrungsdimension in verschiedene Richtungen zu testen.
Das partizipative Potential von Design wächst von unten aus Initiativen von
Einzelpersonen, Interessensgruppierungen oder Subkulturen, die in ihren
Lebensbereichen etwas verändern wollen, im Gegensatz zu dem von Fachleuten von oben
installierten, instruierenden, distinktiven Potential von Design. Dieser Flexibilität als
Kriterium der kommunikativen Dimension ästhetischer Erfahrung kann das partizipative
Potential von Design durch die Möglichkeit, Veränderungen an einem Produkt
vornehmen zu können oder durch das Angebot völlig neuer Produktkonzepte entsprechen.
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