[4.3.3.3]
Zum Kriterium der »Konkurrenz«
bezüglich der hierarchischen Struktur
Bezüglich der hierarchischen Struktur sind die Wertprinzipien durch die
Zielvorgabe und die zugehörige Niveaudifferenz bestimmt. Jeder an dieser Struktur
orientierte möchte eine Position innerhalb der Hierarchie ergattern, halten oder
verbessern und ist ständig mit den anderen Beteiligten im Wettbewerb. Andere Menschen
werden danach eingeteilt, ob sie dieses konkurrierende Streben unterstützen oder
behindern. Deshalb leitet nicht die fast naive, aufgeschlossene Vorbehaltlosigkeit wie
bezüglich der integrativen Struktur, noch die achtungsvolle Toleranz oder das
neugierige Interesse am Fremdartigen des anderen, wie hinsichtlich der polyvalenten
Struktur, das zwischenmenschliche Verhalten. Vielmehr ist die soziale
Grundeinstellung durch andauernde Konkurrenz geprägt.
Auch die Designdisziplinen sind oft noch hierarchisch strukturiert. Deshalb
nutzen Designer das distinktive Potential von Design ebenfalls, bezüglich der
disziplinären Diskussion und ihrer öffentlichen Selbstdarstellung. Sie begünstigen dadurch das
Entstehen einer mitmenschlichen Konkurrenz die über den direkten beruflichen
Wettbewerb hinausgeht. Das Konkurrieren um bessere Leistungen kann dazu beitragen,
die Qualität einer Disziplin zu stärken. Gerade im Designbereich ist jedoch auf Dauer
keine einheitliche Meßlatte für Qualität festsetzbar, ohne dogmatisch auf deren
Richtigkeit zu beharren und alle Vertreter alternativer Ansätze als Konkurrenten zu besiegen.
Mit dem beruflichen Selbstverständnis der Designer, die im Interesse von anderen
Menschen Konzepte entwickeln sollten, ist dieses Konkurrenzverhalten im Grunde
nicht zu vereinbaren. Trotzdem orientieren sich auch viele Designer bevorzugt an der
hierarchischen Struktur, die für sie nur zwei Möglichkeiten offen zu lassen scheint.
Entweder gelingt es, eine Spitzenposition zu erlangen oder der Versuch scheitert und es
bleibt nur der Platz im unteren Teil der Pyramide übrig. Erfolgreichere Kollegen stempeln
den Betroffenen rasch als bloßen Erfüllungsgehilfen seiner wenig renommierten
Auftraggeber ab. Diese konstruierte Polarität degradiert die Mehrzahl der Designer, die ihren
Beruf als alltagsbezogene Dienstleistung verstehen und überhöht die Genialität und
den tatsächlichen Leistungsvorsprung der wirtschaftlich Erfolgreichen.
Das Kriterium der Konkurrenz kann auch positiv zur Steigerung der
Leistungsbereitschaft gewertet werden und es kann Spaß machen, sich im fachlichen
Wettbewerb zu messen. Je nach Zielvorgabe belebt die Konkurrenz dann die mitmenschliche
Kooperation. Gewinner und Verlierer sollten in diesem Fall nicht gegeneinander
ausgespielt werden und der Wettbewerb sollte vielfältige Anlässe für Konkurrenz
zulassen sowie unterschiedliche Leistungen belohnen, damit nicht immer die gleichen
profitieren. Die Unterstützung der Konkurrenz im kooperativen Zusammenleben durch
distinktives Design bleibt jedoch fragwürdig, da sie zur Fundamentierung von
Machtverhältnissen mißbraucht werden kann.
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