[4.3.2.3]
Zum Kriterium der »Vorhersehbarkeit«
bezüglich der hierarchischen Struktur
Der Subprozeß der Belohnung im Teilprozeß der Partizipation läßt sich
bezüglich einem sozialen System mit hierarchischer Struktur, unabhängig von dem
erreichbaren Niveau, durch das Kriterium der Vorhersehbarkeit und die damit verknüpfte
persönliche Sicherheit für die Zukunft umreißen. Anstelle sich selbst ein Urteil bilden
zu müssen, schließt man sich dem durch das System legitimierten Urteil der
Fachleute oder einer anderen einmal ausgewählten Instanz an. Beispielsweise einem
bestimmten Fernsehsender, dessen Berichte für glaubhafter gehalten werden, als
diejenigen anderer Sender oder einer Marke, deren exklusive Club-Artikel nur für Mitglieder
erhältlich sind oder einer Versandfirma wie Manufaktum, welche die schönen Dinge,
die es noch gibt, laut ihrem Slogan ausfindig gemacht hat und ausgewählten
Interessenten anbietet.
Mit der hierarchischen Struktur sind pyramidenförmige, klar geordnete
Vorstellungsbilder zu verbinden. Hierzu paßt auch die Zentralperspektive, die dem
Betrachter einen Punkt zuweist, von dem aus alle Bildelemente oder auch Gebäude, wie in
der Stadtplanung, in der richtigen Anordnung zu sehen sind. Unter anderem brach
der Kubismus diese zwingende Sehweise und die mit ihr verbundene Denkweise auf
und zeigte Objekte geichzeitig von mehreren Seiten. Diese Vielseitigkeit kann sowohl
die visuelle ästhetische Empfindung, als auch das geordnete Denken verwirren, da die
gewohnheitsmäßig erwarteten und vorhersehbaren Fixpunkte nicht aufzufinden sind.
Das distinktive Potential von Design bietet demjenigen, der sich an der
hierarchischen Struktur orientiert, Fixpunkte an, entspricht damit dem Kriterium der
Vorhersehbarkeit und löst die mit der Orientierung an der hierarchischen Struktur
verbundene Belohnungserwartung somit ein. Störende, den vohersehbaren Gang der
Dinge womöglich durchkreuzende Ereignisse werden augesondert.
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