[5.3.3.1]
Zum Kriterium der »Vergegenwärtigbarkeit«
bezüglich der organischen Logik
Hinsichtlich der Interaktion mit Medien, die der organischen Logik folgen, ist
zu beachten, daß die Fähigkeit hierzu besonders stark von der Vorgeschichte einer
Person und dem durch Verkörperung manifestierten Erfahrungswissen abhängt. So
steht vielen Menschen das Fahrradfahren im Prinzip zur Verfügung, da sie jederzeit ein
Rad besteigen und losfahren könnten, allerdings wäre es sicher für einen Großteil
problematisch, eine vorgegebene Wegeführung mit einigen Schwierigkeitsgraden
abzufahren. Auch das Aufsagen einer kurzen Grußformel wäre für die meisten Menschen
eine einfache Aufgabe, wogegen es ihnen schwer fiele, eine kleine, freie
Begrüßungsrede zu halten. Die Reaktivation von geistigen oder körperlichen Erfahrungen im
Umgang mit vorrangig durch die organische Logik geprägten Medien, basiert auf der
Vergegenwärtigbarkeit des einmal Gelernten.
Allein diese im Subprozeß der Verfügung vergegenwärtigbaren Erfahrungen
stehen zur Reaktivation bereit. Die bedingende Wirkung auf die Erfahrung während
dem Subprozeß der Verfügung ist daher durch das Kriterium der Vergegenwärtigbarkeit
zu kennzeichnen. Zum einen gerät dasjenige, was nur oberflächlich gelernt wurde
rasch in Vergessenheit. Zum anderen trägt mangelnde Reaktivierung des Gelernten
zum Vergessen bei. So können viele Erwachsene ihre Fremdsprachenkenntnisse nicht
reaktivieren, weil sie diese Sprache in der Schulzeit nur in wenigen
Unterrichtsstunden lernten und selten in der Lebenspraxis zur Anwendung bringen konnten. Auch
das Wissen aus anderen Wissensgebieten, deren Kennenlernen sich allein auf die
Schulstunden beschränkte, ist nach der Schulzeit nur noch von wenigen Menschen zu
vergegenwärtigen.
Der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft ist nur von Menschen
zu vollziehen, die bereit sind, lebenslang zu lernen, denn Wissen wird nicht mehr als
ein für allemal feststehend modelliert. Hierbei kann das adaptive Potential von
Design verstärkt zum Einsatz kommen. Dem Kriterium der Vergegenwärtigbarkeit ist
beispielsweise zu entsprechen, indem die didaktische und dramaturgische Aufbereitung
von Lernstoffen in nach Schwierigkeitsgraden gestaffelter Form erfolgt. Auf diese Weise
ist zunächst ein oberflächlicher Überblick zu vermitteln und anschließend das
gezielte, tiefergehende Lernen auf die individuellen Erfordernisse des Lernenden abzustimmen.
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