zur Übersicht resonant/interpretativ Übersicht der StrategienDarstellung als Modell

[6.3.2]
Beispiele für die interpretative Perspektivität von Design

Gestaltung und Nutzung von Interfaces sind für viele Designer und Nutzer noch ungewohnt. Deshalb erfolgt die erste intuitive, auf den Erfahrungsschatz bezogene Orientierung oft anhand ästhetischer Elemente, die aus der zweidimensionalen Gestaltung bekannt sind. Dadurch kommen die speziellen Möglichkeiten der digitalen Medien nicht voll zum Einsatz und Designer wie Nutzer fühlen sich im Umgang mit den neuen Medien im Vergleich zu ihren Erfahrungen bezüglich der gewohnten Medien bestätigt. Sie stellen fest, daß sich nichts Wesentliches geändert hat oder sind enttäuscht, weil der Bildaufbau oder die Lesbarkeit der Schrift nicht der gewohnten Druckqualität entspricht.

Das Anknüpfen an bewährte Erfahrungen wie die Anwendung visueller Ordnungsregeln hilft zwar bei der Annäherung an ein neues Medium, erzeugt aber noch keine Vertiefung des Erfahrungsschatzes. Erst ästhetische Hinweise, welche die momentan bevorzugte subliminale Tendenz ansprechen und dazu anregen, zum Beispiel im Zuge multimedial unterstützter Interaktionen, weitere die gewählte Tendenz fortführende Screens zu öffnen, verhelfen zu einer vertiefenden Erfahrungsakkulumation. Die Nutzerführung der CD-Rom »Lumpensammler im Datenraum«, die das Werkbund-Archiv in Berlin vorstellt, bietet unterschiedliche Wege zum Erkunden des Archivs an. Selbst wenn die Fakten bereits als solche bekannt sind, macht es Vergnügen, die Navigationswege gemäß momentaner Vorlieben auszuprobieren und den Erfahrungsschatz zu vertiefen.

Digitale Medien wie Websites oder CD-Roms bieten die technische Voraussetzung für eine den subliminalen Tendenzen entgegenkommende Nutzerführung. Da die unterschwelligen Erwartungen an die Website einer Firma oder Institution sowie der Erfahrungsstand der verschiedenen Interessenten sehr unterschiedlich sind, bietet es sich an, jeder Nutzergruppe auf sie abgestimmte Navigationswege durch die Site zu ermöglichen. Dies kann durch die Unterscheidung von für den Benutzer sichtbarem und unsichtbaren, die technische Funktionalität betreffenden Design umgesetzt werden.

Das sichtbare Design vermittelt durch ästhetisch auf die Zielgruppen abgestimmte Designmasken, in denen das Corporate Design der Firma erkennbar bleibt, dem Nutzer den Eindruck einer klaren, zielführenden Navigation. Zu diesen Designmasken gehören je spezifische Bilder, Animationen, Sounds und Textformulierungen. Das unsichtbare Design betrifft die Kompatibilität aller Datensätze auf der Programmebene. Auf diese Weise fühlt sich jeder Besucher persönlich angesprochen und ist innerlich zur Vertiefung seines Erfahrungsschatzes bereit. Außerdem ist gewährleistet, daß jeder Nutzer die Navigation nach seiner momentanen Tendenz und seinem Wissenstand selbst steuern kann und alle Datensätze für ihn erreichbar sind. So kann in Resonanz zu den anzusprechenden Klienten für einen sportbegeisterten, von der somatischen Tendenz beeinflußten Jugendlichen eine andere Designmaske entwickelt werden, als für eine empfindsame, der introvertierten Tendenz folgenden Person oder für einen professionellen Anwender, der bestimmt von der explorativen Tendenz nach neuen Impulsen Ausschau hält.

Seite drucken resonant/interpretativ nach oben