[2.3.3]
Beispiel für die formative Aktualität von Design
Viktor Vasarely (19081996) entwickelte eine Methode, um wissenschaftliche
Vorstellungen von Raum und Zeit in Sinnesempfindungen zu übertragen. Er konzipierte
beispielsweise eine Art abstraktes Puzzel, das auch ohne künstlerische Vorbildung zu
verschiedenen sinnlich reizvollen Form- und Farb-Kompositionen arrangiert werden kann. Es entstehen
also keine beliebigen Arrangements, weil bestimmte Vorgaben eingebaut sind, die der
spielerisch Interagierende beachten muß.
Einige Computerspiele sind dann der formativen Aktualität von Design zuzuordnen,
wenn der Spieler zwar Entscheidungsfreiheiten hat, aber der Spielverlauf relativ festgelegt und
mit der Absicht geplant ist, dem den Regeln folgenden Spieler ein gewisses Maß an
ästhetischem Vergnügen zu garantieren.
Ebenso gibt die barocke Gartengestaltung bestimmte Wegeführungen vor, die nicht
in erster Linie dazu dienen, den Garten schnell zu durchqueren. Vielmehr geht es darum
während der Interaktion mit der Gartenanlage eine perzeptive Qualität entfalten zu
können. Ähnliches erlebt man beim steßfreien Schlendern durch eine unbekannte Altstadt. Auch
einige neuere Wohnsiedlungen bieten regelmäßige und doch variierende Strukturen an,
deren Erschließung durch einem Spaziergang sinnlich perzeptives Vergnügen macht.
|