[3.3.1.1]
Zum Kriterium der »Achtsamkeit«
bezüglich der introvertierten Tendenz
Mit einer achtsamen Grundhaltung werden ständig Reizangebote registriert und
auf die innere Wirklichkeit bezogen. Jede geringfügige Veränderung veranlaßt zum
Nachsinnen. Das Kriterium der Achtsamkeit als Bereitschaftshaltung der
introvertierten Tendenz regelt noch vor dem Bewußtwerden den Zugang zum Innersten. Das gilt
gegenüber Reizen die von außen kommen wie das freundliche Lächeln oder die
Körpersprache eines Gesprächspartners, die Farbigkeit eines Plakats, die Düsterheit
einer Bahnstation ebenso wie bezüglich der Reize, die von innen kommen wie
Tagträume oder assoziative Phantasievorstellungen. Im Zustand der introvertierten
Achtsamkeit geht das Gefühl für Zeit leicht verloren. Während die Zeit im inneren Empfinden
verfliegt und übervoll scheint, kommt einem Beobachter das Verhalten eines
achtsamen, introvertierten Menschen sehr langsam vor.
Ob ein Mensch in einem Moment achtsam oder unachtsam ist, hängt zum
größten Teil von seiner inneren Verfassung ab. Jemanden aus einer unachtsamen,
oberflächlichen Haltung herauszureißen, ist relativ schwer. Ein geeignetes gestalterisches
Mittel hierfür sind auffällige Kontraste. Ästhetische Elemente erzeugen durch starke, mit
dem Kontext kontrastierende Reize ein Wirkungspotential, das sich deutlich vom
übrigen Reizangebot unterscheidet und dadurch wenigstens leichter Beachtung findet und
die Chance erhöht, in die innere Wirklichkeit aufgenommen zu werden.
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