[3.3.1.1]
Beispiel für das animative Potential von Design
Balladen von Hard Rock Gruppen wirken deshalb besonders eindringlich, weil sie in
deutlichem Kontrast zu dem Outfit und der üblichen Musik dieser Bands stehen. Eine
ganzseitige Bildanzeige in der typografisch sehr zurückhaltend gestalteten FAZ scheint eher
beachtenswert, als wenn sie auf einer Plakatwand positioniert wäre. Schwarzweiß gedrehte
Werbefilme wecken die Achtsamkeit, weil sie irgendwie tiefsinniger zu wirken scheinen als
das bunte Drumherum.
Gestalterisches Ziel sollte es nicht sein, Menschen kurzfristig aus ihrer
Unachtsamkeit für die Qualität der inneren Wirklichkeit, sei es der eigenen oder der von anderen
Menschen, durch schockierende Ästhetik aufzurütteln, sondern vielmehr mittels differenzierter
ästhetischer Elemente dazu beizutragen, Achtsamkeit zu wecken, die langfristig bestehen
bleibt und zur Stärkung des Selbst beiträgt. Die Werbekampagne der Firma Benetton (vgl.
Toscani, 1996) fällt auf, weil sie mit den Gesetzen des Werbegenres kontrastiert und Anstöße
für Diskussionen zu aktuellen Problemen gibt. Sie ist, in Ausklammerung der Diskussion um
ihre Eignung zur Verkaufsförderung, ein Beispiel für die gelungene Verbindung von
kurzfristigem Aufrütteln aus der Unachtsamkeit und langfristigem Aufrechterhalten der Achtsamkeit
für die thematisierten Probleme durch gestalterische Mittel.
Designer sollten zudem ihre eigene Bereitschaft hinsichtlich der introvertierten
Tendenz kritisch hinterfragen, um einerseits zu verhindern, daß sie sich unachtsam und
oberflächlich gegenüber einer Thematik, die sie gestalterisch umsetzen wollen, verhalten oder
sich andererseits zu achtsam für Unterschiede selbstverliebt in Details verlieren.
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