[3.3.1.2]
Zum Kriterium der »Angeregtheit«
bezüglich der explorativen Tendenz
Von der explorativen Tendenz motiviert strebt der Verhaltensfluß relativ
unbestimmt irgendwelchen Reizangeboten zu. Auch hierdurch ensteht eine verengende
Kanalisierung. Diese ist nicht durch das somatische Kriterium der
Bedürfnisgerechtheit oder das introvertierte Kriterium der Befindlichkeit vorgegeben, sondern formt
sich durch zufällig vorgefundene und im Verhalten verknüpfte Reize der externen
Welt nach dem explorativen Kriterium der Angeregtheit. Insbesondere für Kinder
ergeben sich aus diesem Effekt weitreichende Konsequenzen für ihr Wirklichkeitsverständnis.
Ansätze zur explorativen Tendenz bei Kindern zu ermuntern, sie mit allzu
vielfältigen Angeboten in Kontakt zu bringen, kann zu einem konfusen Verhältnis zur
Wirklichkeit führen, denn diese ist durch die einseitige Förderung der explorativen
Tendenz weder im Innersten verankert, noch in einer kommunikativen Beziehung zu
einer sozialen Gruppierung ausgerichtet. Dabei ist es egal, durch welche Medien, ob
Buch, Fernsehen, Internet, Museen oder auch Reisen, diese Angebote erfolgen. Anstatt
der elterlichen Erwartung entsprechend, Wissen anzusammeln, vermischt sich im
Erfahrungshintergrund des Kindes Vergangenes, Aktuelles, Historisches oder
Erfundenes, Wissenschaftliches oder Sektiererisches, zu einem neuen Zusammenhang. Im
positiven Fall resultiert daraus Kreativität. Im negativen Fall entsteht weder ein
stabiles Selbstgefühl noch Nähe zu anderen Menschen. Das Kind oder der Jugendliche
treibt ohne interne Selektions- und Wertungsfähigkeit von einem Reiz zum nächsten. Für
Erwachsene, die bereits ein Selbstgefühl und kommunikative Kompetenz
entwickeln konnten, ist die Gefahr, zum Spielball des durch die explorative Tendenz
motivierten Aktivitätsdrangs zu werden, geringer. Zu wenige Reizangebote sind für die
kindliche Entwicklung ebenso schädlich, da sie frühzeitig eine verengte Kanalisierung einleiten.
In pädagogischer Hinsicht ist deshalb eine verantwortliche Haltung bei der
Konzeption von Design mit dem Schwerpunkt des impulsiven Potentials einzufordern.
Das impulsive Potential von Design kann nur durch den maßvollen und im Ansatz
zielorientierten, jedoch nicht instruiren wollenden Einsatz gestalterischer Mittel
förderlich auf das Kriterium der Angeregtheit wirken.
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