[3.3.2.2]
Zum Kriterium der »Assoziierbarkeit«
bezüglich der introvertierten Tendenz
Freies Assoziieren ist eine Methode, um die Ideenfindung nicht durch bewußte
Reflexion vorzeitig abzublocken. Spontan werden Gedanken geäußert, die bezüglich
einem gegebenen Begriff oder einer Problemstellung in den Sinn geraten. Diese
Assoziationen können sich verselbständigen und sozusagen vom Hundertsten ins
Tausendste gehen. Es entsteht ein assoziatives Sinngewebe, welches in seinen
fortgeschrittenen Verästelungen und Verbindungen mit dem anstoßgebenden Anlaß oft gar
nichts mehr zu tun hat. Trotzdem kann der Anlaß später stellvertretend für den
Assoziationsprozeß stehen. Dann wird ein Bild, ein Plakat, ein Film, eine Hausfassade oder
ein Möbelstück, eine Werkzeug usw. in der ästhetischen Erfahrung zum Knotenpunkt,
der ein viel größeres Sinngewebe zusammenhält. Solche Assoziationen sind durch
den Erfahrungshintergrund geprägt und gestaltet. Sie nehmen im Erleben großen
Raum ein, beispielsweise auch als Tagträume. Dadurch bewegt sich jeder Mensch, dem eine
selbständige Entwicklung möglich ist, in seiner speziellen Wirklichkeit.
Wissenschaftliche, philosophische, religiöse oder künstlerische Beschreibungen dieser
Wirklichkeiten, sind je auf ihre Art bestrebt, deren gemeinsames Fundament zu erfassen
und setzen dieses oft mit der einen zeitlosen oder sich linear entwickelnden Realität
gleich, innerhalb derer die verschiedenen Erlebniswirklichkeiten der einzelnen Menschen
nur vergängliche Nischen bilden. Gerade in der dynamischen Entfaltung von
Nischenwirklichkeiten und der Generierung von unterschiedlichen Sinnzusammenhängen
kann aber der eigentliche Wert des individuellen Lebens liegen.
Bezüglich der Position von Design und den zugehörigen ästhetischen
Präferenzen, ist zu fragen, ob Design als zeitlose Deutung der einen objektiven Realität, bzw.
als deren linear fortschreitende Modellierung oder im Unterschied zu diesem
vereinheitlichenden Ansatz als Ausdruck und immer neue Interpretation der in verschiedenen
Lebensprozessen generierten Vielfalt von Wirklichkeiten verstanden werden soll. Im
ersten Fall bezeichnet Design abgekapselte Einheiten, Black-Boxes, die den
Nutzern ohne Rücksicht auf spezielle Sinnzusammenhänge vorgesetzt werden. Im zweiten
Fall, der die Aufgabe des animativen Potentials von Design bezogen auf die
Assoziierbarkeit innerhalb der introvertierten Tendenz bezeichnet, sollte sich Design aus der
Wirklichkeit der Nutzer entwickeln und potentiell zu einem sinnhaften
Knotenpunkt werden können.
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