[3.3.3.1]
Beispiel für das sensitive Potential von Design
Die Glasfirma Riedel ist bekannt für die besonders sensible, auf die Geschmacks- und
Geruchsentfaltung von Getränken abgestimmte Gestaltung von Trinkglasserien. Solche
Gläsern vermitteln ein spezielles Trinkgefühl. Die Begierigkeit als Kriterium für die körperliche
Zuneigung zu einem Getränk weitet sich dann sogar auf die Verwendung eines bestimmten
Glastyps aus. Passionierte Pfeifenraucher stellen sich, wenn der Gedanke an das Rauchen
aufkommt, eine bestimmte Pfeife und den passenden Tabak vor. Appetit richtet sich auf
ganz bestimmte Speisen, deren gleichmäßige Zubereitung beim Restaurantbesuch erwartet wird.
Lebensmittelhersteller setzen das sensitive Potential von Design zum Beispiel ein,
indem sie nach umfassenenden Marktforschungstudien Geschmacksnouancen konzipieren, um
ihr Produktsortiment zu erweitern und neue Käufer zu gewinnen. So bietet die Firma Dr.
Oetker Kuchenfertigmischungen an, die einen Geschmack wie bei Oma garantieren oder
Knorr geht mit den Produkten zur internationalen Küche auf die Geschmackserlebnisse im
Urlaub ein und sogar ein relativ neutrales Produkt wie Speiseöl wird durch Zugabe von
Basilikumaroma charakterisiert.
Auch bei Autoherstellern spielt das sensitive Potential von Design in Form der
Konzeption eines typischen, wiedererkennbaren, vom ganzen Körper spürbaren Fahrgefühls,
das zur Unterstützung der Produktbindung beiträgt, eine Rolle. Zu diesem Fahrgefühl gehört
der berühmte, satte Klang der zuschlagenden Tür bei Mercedes ebenso wie die harte
Federung eines Geländefahrzeugs oder die unbequemen Sitze eines Sportwagens. Ein Käufer, der
auf das körperliche Fahrgefühl Wert legt, wird den gleichen Autotyp nur dann nochmals
erwerben, wenn auch die Modellvariante seine zuvor entwickelte Begierigkeit intuitiv stimuliert.
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