[4.3.1.1]
Zum Kriterium der »Niveaudifferenzierbarkeit«
bezüglich der hierarchischen Struktur
Während bezüglich der integrativen Struktur die Ganzheitlichkeit als
Wertungsprinzip implizit die kommunikative Dimension der ästhetischen Erfahrung beeinflußt,
basiert die hierarchische Struktur und die daran orientierte Kommunikation auf
einem explizit definierten Wertungsprinzip, das durch unterschiedlichste Zielvorgaben
konkretisiert sein kann. Einige Individuen schaffen es der expliziten Zielvorgabe
näher kommen und andere entfernen sich von ihr. Die Zielvorgabe ist nicht für alle
sozialen Akteure gleichermaßen erreichbar. Zudem erfordert eine der Zielvorgabe
entsprechende Beteiligung spezielles Vorwissen, das nicht jeder erwerben kann. Deshalb
führt diese Wertbestimmung zu einer Ungleicheit in der Kooperation der Individuen.
Zum wesentlichsten Inhalt der Erfahrung wird es, die eigene Position im Vergleich zu
den anderen zu bestimmen. Deshalb ist das Kriterium der Niveaudifferenzierbarkeit
für Menschen, die sich primär an eiener hierarchischen Struktur orientieren, so wichtig.
Im Unterschied zum Kriterium der Ganzheitlichkeit, das im Sinne der
erkenntnistheoretischen Richtung des naiven Realismus ohne weitere Reflexion mit dem
Glauben an ein unmittelbares Grundverständnis zwischen den Menschen und auch
zwischen Mensch und Umwelt verbunden wird, erreicht das Kriterium der
Niveaudifferenzierbarkeit bezüglich der hierarchischen Struktur ein höheres
Abstraktionsniveau. Konkretisierungen in Form eines entsprechenden Potentials von Design sind
nicht bereits im alltäglichen sozialen Miteinander wie durch das kollektive Potential von
Design gegeben, sondern müssen grundsätzlich erst entwickelt werden.
Logisches Denken, präzises Befolgen von einmal formuliertem Wissen, exakter
Umgang mit Handwerkszeug und ranggemäße Zuordnung des individuellen Vermögens
innerhalb der Niveaudifferenz, gehören zu diesem ästhetischen Kriterium. Für
jemanden, der sich auf ein bestimmtes Wertungsprinzip eingeschworen hat und seine
ästhetische Erfahrung an der diesbezüglichen Perfektion aller Komponenten ausrichtet,
ist es oft nicht mehr möglich auf kritische Distanz zu gehen und erstens zu
bemerken, daß neben dem gewählten Wertungsprinzip noch alternative Prinzipien stehen
sowie zweitens deren mögliche Gleichwertigkeit anzuerkennen. Dies gilt nicht nur
hinsichtlich Werten wie dem Einkommen oder dem Bildungsstatus, sondern kann auch
die nach spezifischen Zielvorgaben entstanden Niveaudifferenzierung innerhalb
wissenschaftlichen Systemen beeinflussen. Die Konzentration auf eine dominante
Wertbestimmung erschwert einen Paradigmenwechsel (vgl. Kuhn, 1976).
Eine an der hierarchischen Struktur orientierte ästhetische Erfahrung sucht
nach Designangeboten, die dem jeweils erreichten Niveau Ausduck geben. Das
distinktive Potential von Design muß daher, um dem Kriterium der Nieveaudifferenzierbarkeit
zu entsprechen, Abstufungen hinsichtlich dem repräsentativen Status wie
Funktionsqualität oder handwerklicher Präzision ausdrücken.
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