[4.3.3.2]
Zum Kriterium der »Reserviertheit«
bezüglich der hierarchischen Struktur
Hinsichtlich der hierarchischen Organisationsstruktur wird der
kooperative Subprozeß der Unterstützung möglichst offiziell geregelt. Verläßlichkeit, die über
das rollengemäße Verhalten hinaus geht, ist selten anzutreffen. Man begegnet
einander mit Reserviertheit, möchte nicht in die Probleme eines anderen Menschen
hineingezogen werden und dadurch möglicherweise die erreichte Position gefährden. In
unternehmerischen, wissenschaftlichen oder sportlichen Bereichen, die große
Leistungsfähigkeit verlangen, entsteht selten wirkliche Verläßlichkeit als vielmehr
Reserviertheit zwischen den Beteiligten. Am Mißlingen des Teamspiels einer
Fußballmannschaft, deren Spieler jeweils ihre eigene Leistung gut präsentieren und ihren Marktwert
steigern wollen, wird die zwischenmenschliche Reserviertheit zueinander
offensichtlich. Diese mangelnde Verläßlichkeit in der Kooperation gefährdet wiederum den
Bestand eines hierarchischen Systems. Die Beteiligten geraten in ein Dilemma, weil
gleichzeitig Leistungswettbewerb gegeneinander und Verläßlichkeit füreinander gefordert wird.
Allerdings ist dieses Verhaltensschema nicht auf außergewöhnliche
Situationen übertragbar. Beispielsweise kann sowohl eine gemeinsam erlebte Gefahr als auch
ein besonderes öffentliches Ereignis dazu beitragen, für einen Moment lang alle durch
die Orientierung an einem Strukturtyp gegebenen zwischenmenschlichen Schranken
vergessen zu machen. Dies zeigte beispielsweise die spontane Welle der
Hilfbereitschaft nach dem Zugunglück in Eschede 1998 oder ein Jahr zuvor anläßlich der
Überschwemmungskathastrophe an der Oder.
Das dem Kriterium der Reserviertheit entsprechende distinktive Potential von
Design sollte die Abgrenzung, das Verbergen oder auch das Understatement in der
mitmenschlichen Kooperation erleichtern.
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