[4.3.3.2]
Beispiel für das distinktive Potential von Design
Zu Beginn der neunziger Jahre wurde allgemein ein Trend zur Bescheidenheit
deklariert. Diese demonstrative Bescheidenheit eignet sich besonders gut als vorgeschobenes
Argument, um von der Reserviertheit der Wohlhabenden gegenüber den in der
Leistungsgesellschaft weniger erfolgreichen Menschen abzulenken. Anstelle diesen zu helfen, sie in
irgendeiner Form am Wohlstand teilhaben zu lassen wie noch in den achziger Jahren deren
Zeitstimmung durch eine unbedarfte, teils dekadente Lust am Luxus gekennzeichnet war,
zeigen Gutsituierte nun Bescheidenheit im öffentlichen Auftreten, damit der Unterschied
zwischen ihrer Kaufkraft gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung weniger auffällt. Wie an der
gehobenen Preisgestaltung solch bescheiden wirkender Produkte abzulesen ist, basiert dieses
Verhalten nicht auf dem Versuch, Solidarität zu üben. Er kaschiert lediglich die vorsichtige
Reserviertheit gegenüber den Menschen unterhalb dem erreichten Niveau. Durch
entsprechend unauffälliges, nur für den Kenner im Preis einzuschätzendes Design, wird dem
Kriterium der Reserviertheit entsprochen. Zudem wirkt solch puristisches Design wenig
verlockend und ist oft auch nicht sehr funktional oder komfortabel, was unerwünschte
Interessenten abschreckt und mit dazu beiträgt, daß zahlungskräftige Kenner unter sich bleiben.
|