[4.3.3.3]
Zum Kriterium der »Toleranzfähigkeit«
bezüglich der polyvalenten Struktur
Dem Individuum als Partizipant einer polyvalenten Struktur ist bewußt, daß
verschiedene Wege richtig sein können, daß der in irgendeiner Weise andersartige
Mensch als solcher akzeptiert und weder in einem nivellierenden Konsens verschwinden
noch durch ablehnende Vorurteile ausgeschlossen oder im Wettbewerb übervorteilt
werden sollte. Nicht gleichgültige, das Anderssein ignorierende oder hochmütige, die
eigene Position nicht gefährdende, sondern eine achtungsvolle Toleranz ist die zur
polyvalenten Struktur passende soziale Grundeinstellung. Im Subprozeß der
kooperativen, mitmenschlichen Begegnung ist die bedingende Wirkung auf die Erfahrung daher
mit dem Kriterium der Toleranzfähigkeit zu beschreiben.
Zu dieser Toleranzfähigkeit gehört das Einüben von Argumentationsfähigkeit
oder anderer nicht auf die verbale Sprache reduzierter ästhetischer Ausdrucksformen.
Desweiteren ist die Fähigkeit wichtig, kontroverse und relativierende Diskussionen zu
führen, die sich aus der gegenseitigen Anerkennung und differenzierten Darlegung
der jeweiligen Meinungen ergeben und nicht darauf zielen, einen harmonischen
Konsens zu finden, sondern die Anschlußfähigkeit im respektierenden Dissens zu erhalten.
Das partizipative Potential von Design kann dem ästhetischen Kriterium der
Toleranzfähigkeit durch die Schaffung differenziert gestalteter, echte Alternativen
darstellender Angebote entsprechen. Diese können die Einübung von mitmenschlicher
Toleranz mittels der Anregung zur Diskussion von unterschiedlichen ästhetischen
Überzeugungen fördern.
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