[4.3.1.3]
Beispiel für das distinktive Potential von Design
Die Deutsche Industrienorm, kurz DIN, legt detailliert fest, welchen Kriterien,
inklusive ästhetischer Vorgaben, ein Produkt entsprechen muß. Solange diese Normierung im
Sinne einer Garantie für die Einhaltung eines minimalen Standards bei der Produktion
verstanden wird, setzt sie nur weiterentwicklebare Rahmenbedingungen fest (vgl. Kapitel
5.3.3). Wenn die Normierung aber als ein qualitatives Gütesiegel fungieren soll, dann wird
sie zunehmend zum optimal zu erfüllenden Ideal. In einigen Bereichen ist die Optimierung
der Normen schon so weit fortgeschritten, daß diese sich verselbständigt haben und nur
noch dem Profit und der Monopolstellung derjenigen Firmen dienen, die sie perfekt einhalten
können. So ist es nicht sinnvoll, Arbeitsplätze für behinderte Menschen streng nach DIN
Vorschriften zu gestalten, denn die Behinderungen sind zu individuell, um über den
Minimalstandard hinausgehend vorab komplett erfaßt und genormt zu werden. Die Optimierung
der Normen sollte für alle Nutzungsbereiche vorsichtigt gehandhabt werden. Wie die
europäische Normendiskussion zeigt, bestehen regional sehr verschiedene Gewohnheiten und
Ansichten zu den Sollmaßen von Betten und passendem Zubehör.
Dem Kriterium der Optimierbarkeit entspricht auch das Bestreben der
Autoindustrie, zunehmend Telekommunikations- und Computertechnik in die Fahrzeuge einzubauen.
Ohne den Sinn von Fernsehgeräten oder Internetanschlüssen usw. zur Bedienung durch den
Fahrer zu hinterfragen, werden einfach alle Möglichkeiten ausgereizt. Ziel ist es, den hohen
technischen Level einer Firma zu demonstrieren und den Kunden davon zu überzeugen, daß
der Erwerb eines solchen Wagens auch der Entwicklung und Optimierung seines Lebens
Ausdruck gibt und den bereits erreichten Status steigert.
|