[5.3.1.1]
Zum Kriterium der »Erspielbarkeit«
bezüglich der organischen Logik
Die elementarste kreative Tätigkeit ist das Spiel mit dem eigenen Körper.
Jedes Kleinkind entdeckt und erzeugt spielerisch für sich die Grenzen seines
körperlichen Erfahrungsbereiches. Die Logik des Hörens als einem sinnlichen Medium wird
durch die spielerische Produktion von Geräuschen ob mit der eigenen Stimme oder
körperlichen Interaktionen mit der Welt wie Klopfen, Schlagen, Kratzen usw. für die
eigene Erfahrung erzeugt. Dementsprechend beginnt die spielerische Auseinandersetzung
mit dem Singen und Sprechen durch unstrukturiertes Geplapper und melodischen
Wiederholungen. Die Logik des Sehens wird durch Zukneifen eines oder beider Augen,
durch Verstecken usw. spielerisch zum Teil der Erfahrung. Die Logik des Schmeckens
entsteht im spielerischen oralen Abtasten unterschiedlichster Dinge. Vor dem Erfassen der
Logik des Riechens werden Dinge in die Nase gesteckt. Die Logik des Mediums der
eigenen Haut als Körpergrenze wird spielerisch erfühlt, indem sich Kinder selbst beißen,
zwicken oder die Haare zupfen. Kinder die von Geburt an durch eine Krankheit
schmerzunempfindlich sind, erfahren diese elementare organische Logik als mediale
Grenze nicht und verstümmeln sich im Spiel mit dem eigenen Körper. Die
Bewegungserfahrung bildet sich unter anderem durch Zappeln oder rhythmisches Schaukeln.
Wahrscheinlich ist diese Erfahrung der Körpergrenzen durch die Erspielbarkeit
der Medien, die durch eine organische Logik geprägt sind, auch für die geistige
Entwicklung sehr wichtig. Dies belegt der Vergleich von gesunden mit autistischen
Kindern. Autistische Kinder, deren Krankheit auf einem genetischen Defekt beruht, fallen
auf, weil sie beispielsweise jeden zärtlichen Körperkontakt ablehnen. Ihnen gelingt
es nicht, ihre Körpergrenzen durch spielerische Abgrenzung verschiedener Medien
mit organischer Logik zu entdecken oder zu erzeugen. So wiederholen sie bestimmte
Tätigkeiten wie Dinge nach Farben zu sortieren ohne Veränderung immer wieder.
Genausowenig wie ihnen die Erspielbarkeit der sinnlichen Medien oder deren
Gewichtung und angenehme Gestaltung gelingt, können sie ihre geistigen Vorstellungen
abgrenzen und ordnen. Eine These zur Erklärung dieses Phänomens besagt, daß Autisten
kein Bewußtsein ihrer körperlichen und geistigen Abgegrenztheit entwickeln und
deshalb auch unfähig sind, sich vorzustellen, daß andere Menschen etwas denken
könnten, was von ihren eigenen momentanen Denkinhalten verschieden ist. Dadurch sind
Autisten unfähig normal zu kommunizieren. Das unvorhersehbare Verhalten
anderer Menschen macht sie unsicher.
Das adaptive Potential von Design unterstütz die Erspielbarkeit der Medien mit
organischer Organisationslogik, indem unterschiedliches Spielzeug für Kinder
entwickelt wird, das insbesondere das Kriterium der körperlichen Erspielbarkeit im
Sinne einer spielerischen Abgrenzung der organischen Medien fördert.
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