[5.3.1.3]
Zum Kriterium der »Trainierbarkeit«
bezüglich der organischen Logik
Spielerisch werden die Grenzen der organischen Logik erforscht und mittels
Variieren deren Möglichkeiten entfaltet. Diese Vielfalt bündelt sich durch die
Auswahl eines angestrebten Ziels und entwickelt sich durch Trainieren weiter auf ein
spezifisches Konzentrat der organischen Medien hin. Jedes Individuum stellt eine solch
einzigartige Ausformung der organischen Medien dar.
Dieses Kriterium ist mit dem Begriff »Trainieren« bezeichnet, weil dieser
deutlicher als der in diesem Zusammenhang ebenfalls mögliche Begriff »Lernen« mit der
Bedeutung von körperlichem Einsatz verbunden wird. Auch geistige Fähigkeiten sind
ohne körperlichen Einsatz nicht entwickelbar. Durch Trainig werden die körperlichen
Potentiale zu gezielt einsetzbaren Medien ausgeformt, egal ob sie zur Erzeugung
sportlicher oder künstlerischer Bewegungsmuster, zur Generierung wissenschaftlicher
Theorien oder phantasievoller Gehirnmuster dienen. Die Bedeutung von Training schließt
hier ein Lernen ein, das durch intuitiv entwickeltes Verstehen generiert wird. Es geht
nicht darum, scheinbar feststehendes Wissen nach dem Lehrmodell des Nürnberger
Trichters zu übernehmen. Das Kriterium der Trainierbarkeit kennzeichnet die Erfahrung
des Lernens als aktives Tätigsein, das im Unterschied zum Spielen oder Variieren,
jedoch auf diese Erfahrungen aufbauend, einen bestimmten Weg weiterentwickelt.
Im Zuge dieses lernenden Trainierens formt sich die individuelle Persönlichkeit
mit den Kompetenzen oder Inkompetenzen ihrer spezifisch ausgeprägten
organischen Medien. Dieses Trainieren erfolgt nicht isoliert. Es ist eingebunden in soziale
und kontextuelle Interaktion und Kommunikation. Aber die Arbeit des Trainierens
als Weiterentwickeln der organischen Medien muß jede Person selbst vollbringen.
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen produktivem und rezeptivem Tätigsein. Es
läßt sich leichter und schneller lernen einen Gewichtheber zu beobachten, als ein
Gewicht selbst zu heben. Ebenso ist es einfacher, von anderen produzierte Theorien zu
kritisieren, als selber welche zu entwickeln.
Lernen als Trainieren benötigt gegenüber dem Lernen als Übernehmen von
Bewährtem viel Zeit. Ab dem Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen steht die
erforderliche Zeit meistens nicht mehr zur Verfügung. Dies mag die Hauptursache
dafür sein, daß heute lieber Bewährtes thematisiert wird, entweder durch unkritische
Übernahme oder durch zermürbende Kritik aus der sicheren Distanz des
unbeteiligten Beobachters. Solange ein Vergleich möglich ist, zeigt er, daß mit dem Vezicht auf
die persönliche Entfaltung der organischen Medien zur kreativen Produktion ein
Großteil der möglichen Lebensqualität- und -intensität verloren geht. Daher suchen viele
Menschen innerhalb ihrer sozialen Rahmenbedingungen nach Möglichkeiten sich
selbst mit der Entfaltung ihrer organischen Medien weiterzuentwickeln und wählen oft
nicht den einfachsten Weg.
Das adaptive Potential von Design kann das Kriterium der Trainierbarkeit
bezüglich Medien mit organischer Logik unterstützen, indem die Aktivität von
Menschen stärker gefördert wird, als ihre bloße Präsenz oder eine passive Konsumhaltung.
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