[5.3.1.3]
Beispiel für das adaptive Potential von Design
Dem einzelnen Menschen ist es unmöglich, seine organischen Medien hinsichtlich
allen offenen Perspektiven zu trainieren und weiterzuentwickeln; er muß sich entscheiden.
Daher wächst mit zunehmender Komplexität der Orientierungsmöglichkeiten für die
Kreation von Lebensperspektiven der Bedarf an komprimierten Angeboten für zunächst das
alltägliche Leben vereinfachende und schließlich Expertenwissen ersetzende
Problemlösungen. Vom Instantkaffee zur Robotersteuerung für Gehirnoperationen, von den
Straßenverkehrsregeln zum Grundgesetz, von Höflichkeitsformen zu Lebensführungshilfen reichen weite
Entwicklungsspannen. Aber ohne persönliche produktive Mitwirkung an diesen Prozessen
oder ohne Erfahrung des Trainierens in wenigstens einem Bereich, die zum Verständnis
anderer Bereiche beitragen kann, nimmt ein Nutzer schließlich generell eine passive
Konsumentenhaltung ein und glaubt unterschiedslos hinsichtlich jedem Produktangebot er brauche
nur einen einfachen Input zu geben, um als Output das gewünschte Resultat zu
bekommen. Je umfangreicher dieses Prinzip zum Tragen kommt, desto unproduktiver, unkreativer,
verdummender und ästhetisch ärmer wird das Leben der Menschen, denn ihre aktive und
damit Veränderungen einbringende Beteiligung ist nicht gefragt und wird nicht gefördert.
Dieser Tendenz können Designer entgegenwirken, indem sie nicht versuchen, jeglichen
Aufwand für den Nutzer, sei es bezüglich der Handhabung oder dem kognitiven Umgang mit
Produkten durch reibungslose, funktionale Gestaltung auszuschalten.
Da es inzwischen relativ leicht ist, ohne fundiertes Vorwissen mit dem Computer
perfekte Resultate zu erzeugen, steigt der Wert von Produkten, die primär mittels organischer
Medien entstehen wie Zeichnungen, Live-Musik, Sportlichkeit, Artistik aber auch
Reiseberichte, Biografien, usw. Im Ausgleich zu der Vielzahl von scheinbar zusammenhanglosen,
austauschbaren Produktangeboten, erfährt das authentisch Gewachsene mehr
Beachtung. Dadurch erhält das Kriterium der Trainierbarkeit einen wichtigeren Stellenwert für die
ästhetische Erfahrung des Akteurs.
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