[5.3.2.1]
Beispiel für das situative Potential von Design
Die Fixierung einer guten Infrastruktur gehört zu den wichtigsten Fördermaßnahmen
der den kontextuellen Logiken unterworfenen Lebensbedingungen. So wird geschätzt, daß
die massiven Erdbeben in Mittelamerika Ende 1998 die betroffenen Länder in ihrer
Entwicklung um mindestens zwanzig Jahre zurückgeworfen haben, weil die Infrastruktur wie
Staßennetz, Energieversorgung usw. teils vollkommen zerstört wurde. Das Wissen um den
Zusammenhang von Lebensqualität und Infrastruktur sollte dazu führen, auch denjenigen
Menschen, die in schwierigem Gelände leben, zu helfen, eine der Beschaffenheit dieses
Geländes gemäße Infrastruktur zu entwickeln oder zu erhalten, deren kontextuelle Logik mittels
dem situativen Potential von Design entsprechend dem Kriterium der Materialisierbarkeit
geformt wird. So ist es im flachen Land sinnvoll, die Binnenschiffahrt und die zugehörige
Technologie wie auch den Schiffsbau zu erhalten und in gebirgigen Regionen sind die
Erfahrungen mit dem Tunnelbau sowie den speziell entwickelten Gerätschaften zu fixieren.
Daß es auf Dauer unmöglich ist, eine Landschaftsplanung ohne Berücksichtigung
des Kriteriums der Materialisierbarkeit umzusetzen, zeigt die ansteigende Zahl von Naturkatastrophen
in Wintersportgebieten oder in Regionen, die bekanntermaßen
überschwemmungs- oder erdbebengefährdert sind. Auch in diesem Zusammenhang können Menschen von
regional tradierten Erfahrungen mit Materialien profitieren, diese austauschen, neue
technische Lösungen nach dem Kriterium der Materialisierbarkeit entwickeln und in Relation
zur jeweils vorgefundenen kontextuellen Logik fixieren. So nutzen zum Beispiel asiatischen
Architekten und Techniker ihre tradierten Erfahrungen mit dem Material Bambus und
entwickeln Hightech-Materialien wie Kohlefaserverbundstoffe mit ähnlichen Eigenschaften
zur Konstruktion erdbebensicherer Gebäude.
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