[5.3.2.1]
Beispiel für das innovative Potential von Design
An der Geschichte der Schrift wird die Wichtigkeit der Normung für die Fixierung von
Erfahrungswissen im Umgang mit standardisierten Medien deutlich. Erst mit der
Vereinheitlichung der Schrift und damit dem Schreiben und Lesen, wurde es für eine
zunehmende Anzahl von Menschen möglich, sich aktiv an der Weiterentwicklung der Schriftkultur
zu beteiligen. Für Mitteleuropa kann hierfür insbesondere die Normung der Schreibschrift
unter Karl dem Großen im 8. Jahrhundert hervorgehoben werden, die zur Entwicklung der
Karolingischen Minuskel führte, von der die Kleinbuchstabenschrift abstammt. Ein
ähnliches Bemühen um die Vereinfachung des Umgangs mit Schrift durch Normung, ist in China nicht
vorhanden. Den Umgang mit den tausenden Schriftzeichen der chinesischen Schrift in
Form des Lesens und Schreibens beherrschen noch immer nur privilegierte Teile der Bevölkerung.
Die Idee einer einzigen Codetabelle, in der sämtliche Schriftzeichen der Welt ihren
eindeutigen, genormten Platz haben sollten, entwickelten etwa 1984 die Mitarbeiter des
Ideenpools der Firma Xerox. Mit der aktuellsten Version des verbreiteten Textprogramms,
Word 2000 von Microsoft, das mehr als fünfundsechzigtausend Zeichen umfaßt, wird diese
Idee eines Unicodes erstmals weitgehend umgesetzt. Auf diese Weise ist es möglich,
jederzeit die Sprache zu wechseln, innerhalb linksläufigen Textpassagen Originalzitate einer
rechtsläufigen, beispielsweise der arabischen Schrift einzubringen usw. (vgl. Zimmer, 1999).
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