[5.3.3.2]
Beispiel für das adaptive Potential von Design
Ein Werkzeug oder Medium ob einfach oder komplex, das jemand, der nicht gelernt
hat damit umzugehen, reaktiviert, entfaltet eine stärkere Eigendynamik, als wenn es mit
der entsprechenden Vollzugsfähigkeit gehandhabt wird. Wenn ein Kind zum ersten Mal mit
Buntstiften zeichnet, bleibt oft unentscheidbar, ob die Hand den Stift führt oder die von
Papier gebremsten Bewegungen des Stifts die Hand steuern. Ebenso muß die
Vollzugsfähigkeit bezüglich der Handhabung von Computerprogrammen entwickelt werden. Hinsichtlich
der Beobachtung einer Interaktion mit Schwerpunkt auf Medien mit organischer Logik
unterscheiden sich Stift oder Pinsel nicht prinzipiell von Computern. Kleinkinder lernen
ebenso leicht ein Bild mit Fingerfarben oder mit einem Touchscreen zu malen.
Dem Kriterium der Vollzugsfähigkeit gerecht werdend kann das Gelingen einer
beabsichtigten Interaktion beispielsweise durch die Entwicklung von Software mit besonderer
Berücksichtigung des adaptiven Potentials von Design erleichtert werden. Hieraus ergibt
sich die noch unausgeschöpfte Chance, nicht nur körperliche, sondern auch geistige
Behinderungen, die der durchschnittlich entwickelten Vollzugsfähigkeit bei leichten Aufgaben
im Wege stehen, ausgleichen zu können. In diesem Zusammenhang ist darauf zu
verweisen, daß gerade geistig Behinderte sehr gerne mit dem Computer arbeiten (vgl. Zopfi, in:
Die Zeit Nr. 15, 1997, S. 78).
Eine vorübergehende körperliche Beeinträchtigung der momentanen
Vollzugsfähigkeit bezüglich dem Radfahren als schwerpunktmäßig durch die organische Logik
bedingten Medium, gleicht zum Beispiel das von Claus Dietel entwickelte Fahrrad mit
abnehmbaren Zusatzmotor aus.
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