[6.3.2]
Zur Strategie der »Erweiterung«
bezüglich der initiativen Option
Design gemäß der Strategie der Erweiterung in Korrespondenz zur initiativen
Option stellt zunächst ein Anschluß zur momentanen Tendenz sowie zum
Erfahrungshintergrund her und bietet dann weiterführende Perspektiven an. Vorsicht ist
dahingehend geboten, als dieses Vorgehen auch als Verlockungstaktik eingesetzt wird,
um einen potentiellen Kunden von seinen eigenen Zielen abzubringen und in ihm
neue Wünsche zu wecken. Wem ist es nicht schon passiert, daß er sich von einem
grafisch anziehenden Buchcover und einem vielsagenden Titel angesprochen fühlte, das
Buch kaufte und daheim enttäuscht die Banalität des Inhalts zur Kenntnis nehmen
mußte oder beim Einkaufen auffallende, interessant oder informativ präsentierte
Produkte erstand, die er im Grunde nicht benötigt? Im Prinzip funktioniert aber das Lernen
als Erweiterung des bisher Gewußten nach diesem Muster. Doch dann folgt anstelle der
Enttäuschung ein inneres Aufwachen auf der Ebene des Erfahrungshintergrunds,
das die Bereiche Motivation, Kognition und Emotion gleichermaßen befruchten kann.
Die emanzipative Perspektivität von Design kann der initiativen Option
dadurch entsprechen, daß in unmerklicher, fast spielerischer Weise dem Nutzer immer
größere Entscheidungsräume geöffnet werden. Vorbedingung jeder weiteren Öffnung ist
dabei die Steigerung der Entscheidungskompetenz des Nutzers. Dieser wird weder
überlistet noch in das kalte Wasser des Entscheidungszwanges geworfen. Vielmehr geht es
darum, ihn bei ständiger Abstimmung zur erfolgten Weiterentwicklung seines
Erfahrungshindergrundes zu dessen Erweiterung anzuregen.
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