[6.3.3]
Zur Strategie der »Universalisierung«
bezüglich der resonanten Option
In historischen Phasen von durch Naturgewalten ständig bedrohten
Lebensbedingungen war es notwendig, die soziokulturelle Selektion von Erfahrung aufgrund
der praktischen Bedeutung, die sie für das Überleben haben konnte, zu
vereinheitlichen, um als starke Gemeinschaft die Gefahren zu bewältigen. Diese Strategie zur
Sicherung der Lebensbedingungen stellt heute keine Notwendigkeit mehr dar. Zudem besteht
ein Überfluß an Erkenntnissen, sodaß die Hütung ihrer unverfälschten Weitergabe
nicht mehr überlebenswichtig ist und mit weniger Aufwand gesichert werden kann.
In Museen, Bibliotheken oder dem World Wide Web ist für jedermann zugänglich zu
recherchieren, welche Erkenntnisse verschiedene Kulturen in den vergangenen
Jahrtausenden aus ihren Erfahrungen selektierten. Es ist möglich zu analysieren, was
seither zu einem Erfahrungsbereich an modifizierenden oder völlig neuen Erkenntnissen
hinzugekommen ist sowie bessere und schlechtere Erfahrungsselektionen zu
vergleichen. Angesichts dieser vorhandenen Vielfalt von Erkenntnissen zu ähnlichen
Erfahrungsbereichen, die sich in der Lebenspraxis gleichermaßen bewährt haben, entbehrt
das strikte Beharren auf der unveränderlichen Stabilität, der Absolutheit einer
Erkenntnis jeder Notwendigkeit. Auf einen Problembereich bezogene, unterschiedliche
Erkenntnisse können als prinzipiell gleichwertig bewahrt und für unterschiedliche
Interpretationen oder weiterentwickelnde Erneuerungen bereit gehalten werden.
Trotzdem entscheiden sich viele Menschen für die Sicherheit und Stabilität
versprechende resonante Option.
Die resonante Option kann bezüglich der sozialen Erfahrungsselektion durch
Ausrichtung der korrespondierenden interpretativen Perspektivität von Design auf
die Strategie der Universalisierung verwirklicht werden. In diesem Zusammenhang ist
zu berücksichtigen, daß sich die drei typischen sozialen Organisationsstrukturen
(vgl. Kapitel 4.3) hinsichtlich ihrer Eignung für eine Beeinflussung durch die Strategie
der Universalisierung und die interpretative Perspektivität von Design unterscheiden.
|