[6.3.4]
Beispiele für die interpretative Perspektivität von Design
Hinsichtlich Medien mit organischer Logik muß deren limitierende Wirkung auf die
Erfahrungskreation oft akzeptiert werden. Chronisch Kranke müssen ihre Schmerzphasen
selbst bewältigen. Frauen müssen verschiedene körperliche Einschränkungen, welche
Menstruation und Schwangerschaft mit sich bringen, annehmen. Das adaptive Potential von Design
kann den Betroffenen das Ertragen der Einschränkungen erleichtern,
sie aber nicht davon befreien. Durch die interpretative Perspektivität wird der Blick auf langfristige Verbesserungen
gerichtet, an denen viele Menschen, mitwirken und auch die Betroffenen selbst
einbezogen werden, damit sie mitmenschliche Unterstützung erfahren und nicht allein gelassen sind.
Die Strategie der Einfügung in die Limitation der Erfahrungskreation durch Medien
mit kontextueller Logik ist durch das auf die interpretative Perspektivität ausgerichtete
situative Potential von Design umzusetzen. Bewohner von Häusern in erdbebengefärdeten,
von Überschwemmungen oder Wirbelstürmen bedrohten Gebieten müssen lernen, mit der
Gefahr zu leben. Mittels Design zu verbessern ist ihre Lebensqualität durch erdbebensichere
Bauweise oder Angebote von nachträglich zu installierenden Schutzeinrichtungen.
Die Erfahrungslimitation durch Medien mit gesellschaftlich gewachsener,
standardisierter Logik wird im Prinzip durch das zugehörige innovative Potential von Design im Zuge
ständiger Entwicklungsprozesse verändert. Veränderungen führen aber nicht immer zu
Verbesserungen der Interaktion mit diesen Medien. Vielen Menschen bleibt keine andere Wahl,
als sich in die Grenzen der Medien mit standardisierter Logik einzufügen. Wenn sie einmal
den Anschluß an innovative Entwicklungen wie die Erneuerung von Programmstrukturen verpaßt
haben, ist es schwer dieses Wissensdefizit im Umgang mit den Medien aufzuholen. Ein
Berufstätiger lernt nur mit den Programmen zu arbeiten, die seine Firma nutzt. Bei
einem Wechsel der Firma kann es passieren, daß sich sein Wissen als in der Zwischenzeit
völlig überholt herausstellt, da andere Firmen ihre Systeme längst umgestellt haben. Die
immer schneller werdende Veralterung beruflichen Wissen ist ein Fakt. Diese medienbezogene
Limitation kann sich dadurch auswirken, daß der Betroffene keinen neuen Job findet,
bevor er nicht aus eigener Kraft das Versäumte aufarbeitet. Jeder hat die hierfür notwendigen
Voraussetzungen sicher nicht. Unter der interpretativen Perspektivität von Design wäre
daher auf gesetzlicher Ebene den Berufstätigen ein festgelegter Zeitraum zur ständigen
Weiterbildung einzuräumen und speziell auf die Wissenlücken eingehende Trainigsprogramme
als Computer Based Traning / CBT oder Web Based Trainig / WBT zu konzipieren. Dudurch
erhielten sie die Chance, sich wenigstens in die Limitation einfügen zu können und nicht
völlig von der aktiven Interaktion mit den der standardisierten Logik unterliegenden Medien
ausgeschlossen zu werden.
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